Therapie

Wie wird Kopf-Hals-Mund-Krebs behandelt?

Sobald die Diagnose gesichert ist, wird mit den Ärzten die bevorstehende Therapie besprochen. Es ist wichtig, dass diese Gespräche in Ruhe stattfinden und dass Sie Fragen stellen, falls Sie etwas nicht verstehen. Nehmen Sie jemanden mit zum Gespräch, denn vier Ohren hören bekanntlich besser als zwei. Hilfreiche Informationen und Tipps zum Arztgespräch bietet unter Anderem die Broschüre der Deutschen Krebshilfe "Nachsorgepass". Einen kostenlosen Download finden Sie hier.

Ziel einer jeden Therapie ist die vollständige Entfernung des Tumors und eventuell vorhandener Metastasen.

Ärztin spricht mit Patienten über die künftige Behandlung.

Für eine Krebserkrankung im Kopf- und Halsbereich stehen die folgenden Therapien zur Verfügung:

Operation

Ziel der Operation ist die Entfernung des Tumors. Je nach Schweregrad des Tumors werden auch die Lymphknoten im Hals entfernt (sog. Neck-Dissection), da ein Tumor in der Mundhöhle über die Lymphbahnen streut und in den Lymphknoten neue Geschwülste bilden kann.

Neben der Entfernung des Tumors ist ein weiteres Ziel die möglichst vollständige Wiederherstellung (Rekonstruktion) des operierten Gewebes. Dies kann durch Hauttransplantationen aus Unterarm, Oberschenkel, Brust oder Rücken erfolgen, um fehlendes Gewebe in die Mundhöhle oder in das Gesicht zu übertragen. Müssen Knochenteile ersetzt werden, beispielsweise bei Krebs im Kieferbereich, wird Knochensubstanz aus dem Becken, Wadenbein oder den Rippen genommen.

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie werden die Tumorzellen durch die Strahleneinwirkung zerstört. Bei einem großen Tumor oder bei befallenen Lymphknoten wird meistens nach der Operation die Strahlentherapie empfohlen.

Vor Beginn der Therapie ist es unumgänglich zu überprüfen, ob Ihre Zähne in Ordnung sind, da diese durch die Bestrahlung in Mitleidenschaft gezogen werden können. Insbesondere durch metallischen Zahnersatz (Amalgamfüllungen oder Kronen, Brücken und Inlays aus Metall) erzeugen bei auftreffender Strahlung sogenannte Streustrahlen, die vor allem die angrenzende Mundschleimhaut deutlich belasten. Daher empfehlen wir die Nutzung einer sog. Strahlenschutzschiene, die Streustrahlung so gut wie möglich von den Schleimhäuten fernhält. Informieren Sie sich bei Ihrem Zahnarzt bzw. Ihrer behandelnden Klinik, um eine individuell angepasste Strahlenschutzschiene VOR Beginn der Strahlentherapie zu erhalten.

Trotz Schutzschiene ist der Mundraum während einer Strahlentherapie einer gewissen Belastung ausgesetzt. Dies betrifft sowohl die Schleimhäute und die Zunge als auch die Zähne selbst. Eine regelmäßige Kontrolle in einer Praxis oder der Klinik ist daher besonders wichtig.

Der Strahlenarzt/die Strahlenärztin (Radiologe/Radiologin) wird die Menge der benötigten Strahlen errechnen und diese werden Ihnen quasi portionsweise – üblicherweise mehrmals in der Woche – in vier bis ca. sechs Wochen zugeführt. Da dies eine sehr kraftraubende Therapie ist, sollten Sie für diesen Zeitraum sicher stellen, dass Sie sich nicht allein versorgen müssen.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Entzündungen der Mundschleimhaut (Brennen, „Wund“- Gefühl, Essen ist schmerzhaft)
  • Schluckbeschwerden
  • Wenig Speichel, trockener Mund, da die Speicheldrüsen in Mitleidenschaft gezogen werden. Diese können sich teilweise hinterher wieder regenerieren
  • Geschmacksverlust
  • Hautreizungen

So mildern Sie die Nebenwirkungen bei der Strahlentherapie:

  • Keine Zigaretten, kein Alkohol
  • Meiden Sie scharfes und säurehaltiges Essen
  • Zahnreinigung: Nutzen Sie eine weiche Zahnbürste und Zahnpasta mit Fluoridgehalt
  • Zahnschiene: Täglich die Zahnschiene mit einem Fluoridgel einschmieren und einige Minuten tragen
  • Mundwasser ohne Alkohol benutzen
  • Altbewährt: Mehrmals täglich Salbeitee trinken oder gurgeln
  • Lieber mehrere kleine Mahlzeiten am Tag. Nehmen Sie im Zweifel zwischendurch hochkalorische Trinknahrung zu sich – es stehen verschiedene Geschmacksrichtungen zur Verfügung
  • Bei Mundtrockenheit: Viel stilles Wasser trinken (Kohlensäure brennt im Mund) oder beim Arzt nach Speichelersatzpräparaten fragen
  • Fragen Sie nach schmerzstillenden Mitteln und nutzen Sie diese auch. So gibt es neben den gängigen Schmerztropfen, bestimmte schmerzstillende Emulsionen die kurz vor der Mahlzeit ein wenig die Schleimhäute betäuben und das Essen etwas erleichtern
  • Auch ohne Geschmack: Sie wissen wie es vorher geschmeckt hat und versuchen Sie mit Ihrer Vorstellungskraft das Essen dennoch zu „genießen“.

Wie Sie hinterher für sich sorgen können, lesen Sie unter Nachsorge. Eine Liste von möglichen Reha-Klinken nach der Therapie finden Sie hier.

Chemotherapie

Wenn nicht alle Krebszellen entfernt werden konnten, kommt eine Chemotherapie zum Einsatz. Die Medikamente der Chemotherapie, sog. Zytostatika, zerstören Zellen, die sich, wie Krebszellen, besonders schnell teilen. Im Gegensatz zu einer Strahlentherapie, die direkt den Tumor dort bestrahlt, wo er sitzt, verteilen sich die Medikamente der Chemotherapie im ganzen Körper und können somit auch zu größeren Nebenwirkungen führen.

Kombinationstherapien

Im Falle eines nicht operablen Tumors kommt möglicherweise auch die Strahlentherapie in Kombination mit der Chemotherapie oder eine Antikörpertherapie zum Einsatz. Liegen zum Zeitpunkt der Diagnose Fernmetastasen vor, werden die Patienten im Regelfall mit alleiniger Chemotherapie behandelt.

Bei der Radiochemotherapie kombinieren die Ärzte die Strahlentherapie mit der Chemotherapie.

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